Sonntag, 15. April 2012

Schnupperkurse als Geschäftsmodell

Stell dir das vor: Du schläfst mindestens drei Nächte hintereinander in einem weißen Baumwollhemd, das du anschließend in eine durchsichtige Tüte packst, um seinen - oder besser: deinen -  Geruch zu konservieren. Am Samstag nimmst du es dann zu dieser Party mit, wo deine Tüte eine Nummer und eine blaue oder pinke Markierung bekommt. Dann holst du dir einen Cocktail, machst Smalltalk mit den anderen Partygästen und hoffst den Rest des Abends darauf, dass ein anderer Gast irgendwann deine Nummer hochhält, weil er/sie den Geruch deines verschwitzten Hemdes toll fand. Ihr könnt euch riechen, also seid ihr füreinander gemacht - das ist das Prinzip der Pheromon-Partys. Klingt logisch, oder?

Dafür zahlst du dem Veranstalter vorab 30 Dollar, schließlich bietet er den Rahmen und die Begründung für dieses Spektakel: Jeder Mensch mischt sich seinen eigenen Geruchscocktail aus Pheromonen zusammen, um Partner anzulocken. Es läuft bei Seidenspinnern, Borkenkäfern, Honigbienen und Katzen genauso, das sollte doch genug Anreiz sein, um seine Nase in die Schweißhemden fremder Leute zu stecken. Die Natur lügt nicht, und warum sollte man wissenschaftliche Erkenntnisse nicht für die Partnervermittlung nutzen? Der Schwerkraft können wir uns ja auch nicht entziehen*!

Und sowieso! Omma und Oppa wussten es schon immer: Man muss sich riechen können. Dafür zahlt man doch gern.

Also fast. Eigentlich nicht gern. Sogar höchst ungern.

Der persönlicher Körpergeruch hat nämlich vor allem mit den Bakterien auf und in dir zu tun und nicht mit deinen Pheromonen. Ja, der Geruch spielt eine große Rolle für die Anziehungskraft, aber das auf Pheromone zurückzuführen ist genauso wissenschaftlich wie die Penisverlängerung oder die Brustvergrößerung per Vitaminpille. Oder das Entschlackungsfußbad. Oder Nahrungsergänzungsmittel gegen Krebs und Falten. Das sind Dinge aus der Kategorie Bullshit, die einige clevere Leute nutzen, um aus Scheiße Geld zu machen. Möchten wir diesen Leuten unser Partnerglück anvertrauen?

Alternative: Lauf mit offener Nase durchs Leben und beschnupper jeden, der es wert ist! Irgendwann riecht es so gut, dass du stehen bleibst und tief Luft holst - für den ersten Kuss. 

Bis dahin das Duschen nicht vergessen!

Ach, und kriegt man wenigstens das T-Shirt am Ende der Pheromon-Party wieder?




* Wie man auf unzähligen Singlepartys sehen kann.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Zum einen Danke dafür, dass Du mich auf das Thema aufmerksam gemacht hast (man muss ja von jedem Blödsinn mal gehört haben). Auf der anderen Seite ist der Blogeintrag ganz schön lame, weil er quasi eine wörtliche Übersetzung der verlinkten Artikel ist. Ich hatte mir einen Tatsachenbericht von so einem Partybesuch erhofft. Schade...

tabsie hat gesagt…

Sauber recherchiert, Tonito! :-)

Honigbiene sein wär's! - Mehr nehm ich aus dem Post nich mit. Is' ok, oder? *liebguck*

Dein Stinki
tabsie*-:

Herr_Zimmermann hat gesagt…

Als Sexbloggerin den Wunsch zu äußern, eine Honigbiene zu sein, lässt ja durchaus tief blicken: die Honigbiene an sich hat gar keinen Sex. Die Königin hingegen nimmt einmal im Leben an einer Art Outdoor-Massenvergewaltigung teil, zieht sich dann ins Privatleben zurück, wird fett und bringt 'ne Menge Kinder zur Welt.

Mal ehrlich: dann lieber als Mensch und auto-, mono-, bi- oder polygam, je nach persönlichem Gusto. Das scheint mir auch unter Annahme einer Luther'schen Vollzugsfrequenz das interessantere Sexualleben.

Es sei denn der Fremdmief ist inkompatibel - dann eben doch lieber Honigbiene.

... und jetzt ab in die Wabe!
Herr Zimmermann

Toni Toronto hat gesagt…

Lieber Anonym, für meinen Text schlüpfte ich in die Rolle des Aggregators - eine Rolle, mit der Andere Millionen verdienen. Die Rolle des Partygastes, der Geld für Blödsinn ausgibt und dann Erlebnisberichte schreibt, liegt mir nicht so.

tabsie hat gesagt…

ey @Zimmermanni,

is' doch überdurchschnittlich sympathisch, wenn eine Sexbloggerin (...was is'n dis?? :) auch an Bienen Gefallen finden kann.

Außerdem:
Wer die Scheisse der Anderen *blattlaeuse* benutzt, um daraus so was Geniales wie Waldhonig zusammenzukleistern - dem gehört mein Herz, ganz klar!

Mit Bienchen- und Blumen
-grüßen,

Frau t.*

Lucy Lime hat gesagt…

Ick glaub, ick bin da janz und jar nich anfällich für profesionelles Geld-aus-der-Tasche-geleiert-kriegen

Ich find nämlich allein die Vorstellung so eklig, dass ich nie nimmer nicht mein feines Näschen in irgendwelches fremde Gestinke-Geschwitze-Zeug stecke.

Am Ende bleib ich eh wieder an Bjarnes Zeug hängen, weil das mag ich - und das krieg ich kostenlos. ;)

Herr_Zimmermann hat gesagt…

Tach zusammen!

Zuerst einmal zur Wortklärung: eine Sexbloggerin ist (oder: könnte zumindest sein, wir sind ja tolerant...) eine Blogautorin, die in einem Blog schreibt, das sich in erster Linie erklärter Maßen mit Sex befasst - zum Beispiel also Sie, liebe Tabsie, und hier, auf 15minuten. Das wäre ja dann mal geklärt.

Den Honigbienen Respekt, Bewunderung und Dank zu zollen ist das eine - das sollte man und dem widerspruch ich auch nicht (und es komme mir jetzt bitte niemand damit, dass es widersprichte heißen müsste, ja? Danke.) Grundverschieden von Dankesgefühlen und -bezeigungen jemandem gegenüber ist es jedoch, den Wunsch zu hegen, dieser Jemand zu sein. Und just da klingelt mir ein "Honigbiene sein wär's!" im Hinterstübchen...

Um mal ein wenig im Sujet zu bleiben: Schweine. Die Viecher haben einen Qualitätszinken erster Güte (--> Trüffelschwein!), sollten also für Pheromone hinlänglich empfänglich sein.* Außerdem haben sie Sex mit Reinstecken; das finde ich schon aus Gewohnheit mal nicht ganz unsympathisch. Und es wird ja kolportiert, der Orgasmus des Schweines dauere 30 Minuten.** Das ist doch mal was!

Von daher: für mich bitte Schwein statt Bienchen. Wenn schon, dann denn schon... ;-)

Versautest grüßt
Manni (der Zimmi. Oder so.)

PS @ Lucy: es sollte der Regelfall sein, der Verpackung des eigenen Bettgenossen ein gerüttelt Maß olfaktorischen Genusses abgewinnen zu können, fast so sehr wie dem Inhalt quasi. Das war ja schließlich mal ein Grund dafür, dass man sich gemeinsam unter eine Decke zu stecken geruhte - weil man sich so gut riechen konnte.

Von mir deshalb ein herzliches, aufrichtiges "Weiter so!" Doch, ehrlich. :-)

* Dem Menschen stinkt das Schwein zwar etwas; ich schätze aber, als Schwein empfindet man da artgerecht-lustvoll-anderster. Kein Problem also; die Natur denkt an alle(s).

** Das ist zwar wissenschaftlich nicht ganz haltbar, aber: forget about the facts and push the story!

Lucy Lime hat gesagt…

Ach, wir Sexblogger sind doch eh´ alle Schweine ;) (manchmal kann´s so einfach und die Kürze würzig sein...und doch doppeldeutig:P)

tabsie hat gesagt…

...saugeil, was er da schreibt.

- Trotzdem: Ich bleib' beim Bienchen,
und such mir ein Blümchen*...


Mit honigsüßen Grüßen,
t.*

Herr_Zimmermann hat gesagt…

"...saugeil, was er da schreibt."

Ja - Perlen vor die Säue, sozusagen. Weil wir doch alle Schweine sind.

Was ist die Welt doch schön und bunt!

tabsie hat gesagt…

...und schon sind wir alle wieder beisammen.

:-)

Toni Toronto hat gesagt…

Herr Zimmermann, das waren wieder einmal äußerst profunde Befunde gefundener Befindlichkeiten.

Erlauben Sie mir eine persönliche Frage: Schreiben sie in dieser weiten Wüste ein eigenes Blog? Oder etwas Vergleichbares? Sie haben's nämlich drauf, mein Lieber!

Herr_Zimmermann hat gesagt…

Danke für die Blumen; die kommen gleich ins Väselein...

Nein - ich schreibe kein Blog. Ansonsten schreibe ich durchaus von Zeit zu Zeit (und derzeit viel zu selten), allerdings eher in anderen Zusammenhängen; das interessiert hier also nicht, weil: da geht es nicht um Sex. Nicht einmal näherungsweise.

Dass ich's drauf hätte wird übrigens ab und an mal ungefragt mitgeteilt. Ich hatte aus diesem Grunde zwischenzeitlich auch mal ernstlich überlegt, meinen Broterwerb forthin verbal zu bestreiten. Als ich dann allerdings einige Gehaltsscheck-Faksimiles von Vollzeit-Autoren betrachten durfte, weinte ich bitterlich und beschloss, doch was ganz anderes zu tun. Ich hab' schließlich Kinder...

Gute Nacht wünscht
Herr Zimmermann (nur echt mit den schönen Geschichten von früher)

tabsie hat gesagt…

...eindeutig:
Vollzeit-Schreiben ist nur was für Frauen mit ganz viel Betreuungsgeld... :(

Ebenso nicht angelockt vom vielen Geld hat sich von der Schriftstellerei weinend und ungefragt abgewandt:

TaBea BeaTa Toronto-Vancouver

tabsie hat gesagt…

P.S.: Smiley vergessen:

:-)

Lucy Lime hat gesagt…

@tabsie

Okay!

WO kriege ich mein Betreuungsgeld????

Könnte nicht schaden, meine Autorenschecks aufzustocken. Wegen der Inflation und so...

tabsie hat gesagt…

Lusi,

ayso, das geht so:
Erst musst Du mich heiraten
und dann mach ich Dir ein Kind.
Und dann gibt's den Betreuungsgeldsegen.

- Ach so, aber ich glaub, ich hab wo gelesen, dass es das nur für Autorinnen gibt, die in ihrem Joy-Profil mindestens zwei Fotos haben, auf denen sie am Herd stehen.

;-)

Ruby Red hat gesagt…

*grübel*
Sie könnte Dich vielleicht auch adoptieren, tabs...
*höhö*

tabsie hat gesagt…

@Herr Zimmermann, Herr Zimmermann!!! Hör'n Se':

Ich hab heute Morgen zufällig auf'n Pott entdeckt, wo Sie die 30-Minuten-Schweine-Sex-Info her ham:

NEON
UNNÜTZES WISSEN,
Nr.622

Eingeklemmt zwischen Nr. 621 (Deutsche verbrauchen jährlich 52 000 Tonnen Ketchup) und Nr. 623 (Volleyball ist die beliebteste Sportart in Nudistencamps).

Mein Interesse galt hingegen Nr. 615:
Schlümpfe heißen in Italien I Puffi.
Ich lern' neuerdings nämlich Italienisch. Und "Schlümpfe" kann ich jetz' schon sagen....

:-)